Asylum Seekers and Migrant Criminality in Germany

Introduction

Right now, the number of refugees in Germany seems to be getting quite some international attention. A lot of commentators are trying to frame the current situation in a context of crime, often with an islamophobic bias. The subreddit /r/European is just on example, which nicely demonstrates the biased use of unverified sources, „anecdotal evidence“ and statistical cherrypicking.

Given the prevalence of the topic in Germany, there’s quite a bit of solid material available. Reflecting the self-centered German discussion, most of it is in German. Unfortunately, very little has been translated to English.

This post links to some relevant German language materiel, providing a translation of especially relevant passages. There will also be a link list with some German language sites on the topic, and some more general English language sources

No, I don’t give a fuck about your anecdotal evidence

Not in general, because anecdotes proof nothing. But they are great for inciting resentment, so I guess that’s why for example rape stories are so widely shared. This works so great, that people even make them up when „needed“. Hoaxmap alone lists 48 fake rape stories (as of February, mostly Germany). So if that’s all you base your opinion on, you might want to rethink it.

Some quick clarifications

Yes, most asylum seekers are indeed from Syria

Up until first half of 2015 asylum seekers from the balcans made up a large part of new applicants, but this has changed by now. (BAMF)

BAMF_Herkunftslaender_2016-01

Total numbers 2015 for largest nationalities (BAMF):
BAMF_Easy_2015

Yes, most Syrian asylum seekers have papers

There are no statistics on how many asylum seekers have papers. For asylum seekers from Syria, BAMF gives an estimate of 80% (Mediendienst Integration). Please keep in mind, that many countries don’t require their residents to carry identity cards. Also, papers are no requirement for refugees according to the Geneva protocoll (UNHCR).

As for forgeries: At random sample examinations, 8% of Syrian passports turned out to be forgeries. This number is similar to IDs from Iraq or Eritrea. (Welt)

Yes, currently most refugees are women or children

UNHCR numbers for people arriving via the Mediterranean:

Geschlechterverteilung_Fluechtlinge_2016

For Germany, the numbers according to BAMF are 49.3% men, 19.8% women and 30.9% children.

Fluechtlinge_Altersverteilung_Geschlechterverteilung_2016_Jan_Feb

Foreign residents are no more criminal than Germans

There are quite a few sources on this, all coming to the above conclusion.

One of the big falacities when discussing crime statistics is not bothering to compare similar groups. There quite a few aspects correlating strongly with crime numbers (like age, gender, but also urbanity of residence, social standing or life perspective). Thus there will be a bias when comparing with a demographic that’s for example younger and more male. (An introduction to the topic with some quick numbers can be found at Uni Siegen, a more exhaustive look at Uni Konstanz.)

 

BKA: „Crime in Context of Imigration“

There’s also the recent study „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ (Crime in Context of Imigration) of the federal criminal police. It’s classified as „confidential“ („nur für den Dienstgebrauch“), but apparently available to the papers (Spiegel, Zeit). So far it hasn’t become public in its entirety.

„In total, the currently available trend indicators show that refugees are as much or as little delinquent as comparable groups of the indigenious population.“ (Interior minister on the study)

Of reported crimes, sexual offences are less than 1% and attacks on life are 0.1%. People from Syria and Iraq are underrepresented. Crime numbers with imigrant perpetrators increased noticeable less than total imigrant numbers (red: imigrants, green: crimes).

 

Polizei Braunschweig: SoKo Asyl

More of a random sample are numbers from Braunschweig police (n-tv). Braunschweig police has a special task group (SoKo Asyl) that handles all crimes related to people living at the Landesaufnahmestelle (kind of „state refugee camp“, in most cases the first residence until asylum applicants are distributed to communal locations). „The numbers show that of the 40.000 people that passed through the Landesaufnahmestelle, about 150 were criminals. Less than 0.4 percent. The share is not larger than among Germans.“

 

 

 

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Folgen der Symbolpolitik an der Grenze

Kommentar

Einige Folgen der teuren Symbolpolitik an der bayrischen Grenzen wurden bereits im Krise-der-Flüchtlinge-Sammelpost angerissen. Da die Problematik jedoch diesen Rahmen sprengt, gibt es einen eigenen Sammler dazu.

Da ich noch keine Artikel zu dem Thema in konservativen Zeitungen gefunden habe, würde ich mich über entsprechende Links freuen. Soll ja nicht der Eindruck entstehen, dass dort die Probleme aus ideologischem Opportunismus verschwiegen würden. 😉

 

Artikel

500.000 Überstunden wegen Grenzkontrollen (Zeit, 05.12.2015)

13 Stunden pro Tag, 80 pro Woche: Die Einsätze an der deutsch-österreichischen Grenze haben die Polizei stark beansprucht. Das geht zu Lasten anderer Aufgaben.

Sexuelle Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof: Polizei verheimlichte offenbar Herkunft von Verdächtigen (KStA, 07.01.2015

Aus Sicht der Bundespolizei sei das „Riesenproblem“ an dem Abend vor allem gewesen, dass es „keinerlei personelle Reserven mehr gibt“, so GdP-Sprecher Ernst Walter. „Beispielsweise die mobile Kontroll- und Überwachungseinheit der Direktion St. Augustin, die für derartige Ereignisse in Bereitschaft gehalten werde, sei „komplett an der deutsch-österreichischen Grenze für die Flüchtlingsarbeit im Einsatz“.

Bundesweit fehlten dadurch mehr als 2000 Beamte, weswegen 34 Bahnpolizeireviere nur noch sporadisch besetzt seien.

Der GdP-Landesvorsitzende Peter Schall weiß von einer Hundertschaft der Bereitschaftspolizei zu berichten, die gerade auf der Rückfahrt von einem Fußballspiel in Hamburg war, als der Einsatzbefehl an die bayerische Grenze kam. Nach drei Tagen im Dauereinsatz habe das Team bei einem Outlet-Shop in der Nähe vorbeifahren müssen – neue Unterwäsche kaufen.

Krise der Flüchtlinge

Die Konflikte in Nordafrika und der Levante sind nicht neu. Die damit einhergehenden Flüchtlingsströme auch nicht. Erst dieses Jahr sind Flüchtlinge auch in Deutschland ein „Mainstream-Thema“. Viele tun überrascht, als wäre man all die Jahre zu faul gewesen die Nachrichten zu schaun und Eins und Eins zusammenzuzählen. (Und da hat man mit den minimal komlexeren Faktoren wie dem Bürgerkrieg im Transitland Lybien, der Anti-Syrer-Politik in Ägypten oder dem Unmut der EU-Aussenstaaten mit Dublin III noch gar nicht angefangen.) So oder so, es wird derzeit viel zu dem Thema geschrieben. Auch viel sehr gutes. Das soll hier gesammelt werden.

Schicksale

Und vor uns liegt das Glück (Zeit, 17.07.2014)

43.000 Flüchtlinge sind 2013 übers Mittelmeer nach Europa gekommen. Unsere Reporter haben sich im April auf eine dieser Überfahrten gewagt. Die größte Gefahr lauerte jedoch nicht auf See.

Jetzt lernen sie meine Oma kennen und meine Meinung (Kurzhaarschnitt, 06.08.2015)

Eine deutsche Familiengeschichte.

Im Gelobten Land (Zeit, 23.08.2015)

„Eine irakische Familie, ausgesetzt auf der Autobahn. Polizisten im ständigen Kampf gegen Schleuser. Kriegsopfer, die durch eine bayerische Idylle irren. In Passau stranden täglich Hunderte Flüchtlinge – Geschichten aus Deutschlands Lampedusa.“

Gesamtbetrachtungen

Willkommen! Und jetzt? (Zeit, 11.09.2015)

Wie viele Flüchtlinge auf dem Weg sind, was sie mit Europa machen – und wir mit ihnen.

Die Koalition der Angst (FAZ, 17.09.2015)

Wenn Dienstleistungsproletarier und prekär Wohlhabende sich in einem diffusen Misstrauen gegen das gesellschaftliche System in Deutschland verbünden, wird es brenzlig im Land. Ein Gastbeitrag.

Heimkehr in ein anderes Land (Tagesschau, 27.10.2015)

Ein Jahr lang berichtete Isabel Schayani für die ARD aus New York. Zurück in Köln entdeckt sie ein Deutschland in der Flüchtlingskrise. Ihren Ex-Kollegen in New York schildert sie ihre ganz persönlichen Eindrücke als Helferin und Zuhörerin. Ihr Brief im Wortlaut.

Saatsversagen

Der Tag, als keiner half (Süddeutsche, 24. 10.2013)

Es ist eine Woche vor Weihnachten, als Leonardo plötzlich schwer krank wird. Fast stirbt der Roma-Junge in einem bayerischen Flüchtlingsheim. Warum half man ihm nicht schneller? Warum flehten seine Eltern vergebens um einen Notarzt? Das fragt nun die Staatsanwaltschaft.

Die Wahrheit über den Bau eines Flüchtlingsheims (HA, 26.07.2014)

Es gibt ein Grundstück, und es gibt Standard-Häuser aus Containern, die ruck zuck aufgebaut sind. Es gibt aber auch: absurde Vorschriften, Beamte, die mit Beamten streiten und Behörden, die anderen Behörden keine Auskunft geben.

„Im Camp wird unser Grundgesetz nicht eingehalten“ (Zeit, 06.08.2015)

Zwei Mediziner sind entsetzt über die Zustände, die sie in der Dresdner Zeltstadt vorgefunden haben. In dem Flüchtlingscamp spiele sich eine humanitäre Katastrophe ab.

„Wir basteln uns ein Einsatzkonzept (FAZ, 30.08.2015)

„In Heidenau geriet die sächsische Polizei in den Notstand – und niemand half ihr. Wie es dazu kam, dass eine Polizisten-Altherrenmannschaft antreten musste.“

Bauen zwischen Wunsch und Wirklichkeit (FAZ, 31.08.2015)

Das Bistum Köln würde in einem früheren Kloster gerne Wohnungen für Flüchtlinge errichten. Doch so einfach ist das nicht.

Endloses Warten auf die Familie (Tagesschau, 04.09.2015)

Syrische Flüchtlinge, die ihre daheimgebliebenen Familien nach Deutschland holen wollen, müssen bis zu 15 Monate warten, bis ihr Antrag bearbeitet wird. Das treibt viele in die Hand von skrupellosen Schleppern. Dabei ginge ein Antrag viel schneller – per Mail.

Freiwillige sind unentbehrlich (Süddeutsche, 23.09.2015)

Ohne sie wäre die Flüchtlingskrise nicht zu bewältigen. Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte organisieren die Bürger die Nothilfe. Manchmal gegen den Staat.

Anzeige schreiben, Anzeige zerreißen (Zeit, 27.10.2015)

Gegen Zehntausende Flüchtlinge wird wegen illegalen Grenzübertritts ermittelt. Berlin hat das gestoppt, andere wollen daran festhalten. Auch aus politischen Gründen.

Flüchtlinge überfordern die Computer des Staates (FAZ, 07.11.2015)

Der neue IT-Beauftragte der Bundesregierung hat viel zu tun: Der Zustrom an Asylbewerbern legt die Missstände in den IT-Systemen des Staates offen. Die sollen so schnell wie möglich abgestellt werden.

Wie der Hunger die Syrer in die Flucht trieb (FAZ, 08.11.2015)

Im Sommer bekamen syrische Flüchtlinge auf ihren Lebensmittelkarten plötzlich weniger Geld. Das war ein Auslöser für den großen Treck nach Europa. Wie konnte es so weit kommen?

„Das Chaos gibt es wirklich“ (rbb, 08.12.2015)

Beim Thema Flüchtlinge dreht sich in Berlin derzeit fast alles nur um eine Behörde: das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso). Wie sieht es in der Problembehörde aus, die inzwischen deutschlandweit bekannt ist? Was sagen die Mitarbeiter über ihre Arbeitsbedingungen? rbb online lässt einige von ihnen anonym zu Wort kommen.

Lageso zahlt Essensgeld nicht aus (fr, 26.01.2016)

In Berliner Flüchtlingsheimen haben Dutzende Menschen offenbar nichts mehr zu Essen, weil das Landesamt für Gesundheit ihnen kein Geld auszahlt. Der Sozialsenator Mario Czaja räumt Fehler ein.

Schwerte schafft es nicht (Zeit, 12.02.2016)

Bund und Länder rechnen sich die Ausgaben für Flüchtlinge schön. Am Ende sind es Städte wie Schwerte, die sich hoch verschulden müssen und jetzt schon pleite sind.

Flüchtlinge versehentlich in die Türkei abgeschoben (Zeit, 06.04.2016)

13 der ersten im Zuge des EU-Türkei-Abkommens deportierten Migranten hatten nach UN-Angaben keine Chance Asyl zu beantragen. Die Polizei habe dies „vergessen“.

Rechtsterrorismus

Ein neuer Rechtsterrorismus? (FAZ, 14.12.2014)

Der Islam ist zu einem Feindbild geworden, das auch Gewalt zu rechtfertigen scheint. Unsere Sicherheitsbehörden müssen hier genau hinschauen – die Parteien aber auch.

Nennt sie endlich Terroristen! (Spiegel, 29.07.2015)

Was sich in Deutschland gerade vollzieht, ist die Geburt eines neuen Terrorismus. Völkisch motivierter, mit „Notwehr“ begründeter Terror, beheizt vom Hass im Netz, vorangetrieben von „Aber-Nazis“. Es wird Zeit, ihn auch so zu nennen.

Nur jeder sechste Brandanschlag wird aufgeklärt (Zeit, 17.09.2015)

61 Flüchtlingsunterkünfte wurden dieses Jahr in Deutschland angezündet. Die Täter stammen oft aus der Mitte der Gesellschaft – und halten ihr Verhalten für salonfähig.

Der Terror konnte ungestört wachsen (Zeit, 19.04.2016)

In Freital hebt die GSG 9 eine Zelle rechter Terroristen aus. Es ist das erste Mal, dass Gewalttaten gegen Flüchtlingsheime als Terrorismus verfolgt werden.

„Homegrown Rechtsterrorismus“ (Tagesschau, 19.04.2016)

Der Rechtsterrorismus in Sachsen ist hausgemacht. Es stellt sich die Frage, wie die dortigen Behörden monatelang ermitteln konnten, ohne auf den Gedanken zu kommen, sie könnten es in Freital mit einer Terrorzelle zu tun haben.

 

Blick über den Tellerrand

Was hält ein Land aus? Das Beispiel Libanon (Zeit, 10.06.2015)

Im Libanon leben weit mehr als eine Million Flüchtlinge, ein Drittel der Bevölkerung. Trotzdem kommt das Land irgendwie mit ihnen zurecht.

Die barmherzigen Nachbarn der Samariter (FAZ, 05.08.2015)

Jordanien empfängt weit mehr Flüchtlinge als Deutschland, doch Proteste gibt es keine. Wer lernen will, was Menschenliebe bedeutet, schaue sich den Umgang mit Flüchtlingen dort an.

Die Türkei, Weltmeister der Flüchtlingshilfe (BZ, 16.08.2015)

Der Türkei-Korrespondent der Berliner Zeitung hat die türkischen Flüchtlingscamps besucht und beschreibt die Flüchtlingshilfe-Maßnahmen der Türkei.

Zahlen und Fakten

Where Syrians find their refuge (Economist, 10.09.2015)

The refugee crisis: one chart that puts Europe’s response in perspective (Vox, 15.09.2015)

eurostat Asylum statistics

This article describes recent developments in relation to numbers of asylum applicants and decisions on asylum applications in the European Union (EU).

UNHCR Central Mediterranean Sea Initiative (PDF, Dec. 2014)

The events unfolding in Syria, Iraq, the Central African Republic, South Sudan and elsewhere, are reminders that the need for international protection of refugees is as urgent as ever. With few  opportunities to enter Europe by regular means, thousands of people threatened by persecution and serious human rights violations in their home countries are taking dangerous sea routes.

UNHCR Mid-Year Trends 2014 (PDF)

Enthält auch Informationen zu den verschiedenen Fluchtrouten.

What’s Behind the Surge in Refugees Crossing the Mediterranean Sea (NYT, 21.05.2015)

The civil war in Libya has made it easier for smugglers to transport people through the country. As a result, the number of people fleeing war and poverty in Africa and the Middle East to reach Europe via the Mediterranean Sea has surged since last year. So far this year more than 1,800 migrants may have drowned attempting the journey.

BAMF – Aktuelle Zahlen zu Asyl (Dezember 2015)

Diese Publikation enthält monatlich aktualisierte Daten zu ausgewählten Themen des Bereichs Asyl. Neben der monatlichen und jährlichen Entwicklung der Asylanträge und der Entscheidungen des Bundesamtes über Asylanträge werden auch die im Rahmen des Dublin-Verfahrens gestellten Übernahmeersuchen dargestellt.

Ukraine: Der Schiefergas-Strohmann

Bei Diskussionen zum Thema Ukraine kommt es immer wieder vor, dass der Sturz von Viktor Yanukovych mit Rohstoffinteressen von US-Firmen begründet wird.

Hunter Biden und Burisma Holding

Ein anschlauliches Beispiel ist etwa:

Allerdings läßt sich auch nicht leugnen, daß mehrere große Ölmultis schon große Beute in der Ukraine gewittert hatten. Und dabei – ich sage es mal vorsichtig – von Personen aus dem Umfeld der US-Regierung weidlich unterstützt wurden (Stichwort: Hunter Biden & Co.).

Hunter Biden, Sohn des gleichnamigen republikanischen Ex-Außenministers, wurde im April 2014 Direktor bei Burisma Holdings. Nur ist Burisma Holdings bereits ab 2009 massiv gewachsen ist, das war sogar noch vor Herrn Yanukovychs offizieller Amtszeit, auch wenn die den großteil der Boomzeit ausmacht. (Auch wenn die Inhaberschaften undurchsichtig sind, ein großer Player scheint wohl Herrn Yanukovychs Energieminster, Herr Slotshevski, gewesen zu sein. Die Deutsche Welle hatte mal versucht das aufzudröseln.) Seltsamerweise sind Amerikaner im Board of Directors (neben politisch vernetzten Polen und Briten) auch unter Herrn Yanukovych die Regel; der Investmentbanker Herr Apter wurde 2013 ausdrücklich mit dem Anspruch ins Boot geholt die Firmenpolitik aufzupolieren und neue Investoren anzuwerben.

Warum die Absetzung Herrn Yanukovychs im Interesse von Burisma Holding, oder anderen Rohstoff-Unternehmen, hätte sein sollen bleibt offen.

Schiefergas bei Slaviansk

Ukrainische Schiefergasvorkommen laut GosgeonedraLangezeit ein Dauerbrenner auf deutschen Links-Außen-Seiten waren in Suchen Ukraine die Schiefergas-Vorhaben des Rohstoffmultis Shell. Dumm nur, dass die Verträge schon unter Herrn Yanukovych geschlossen wurden. Wer genauer hinschaut wird feststellen, dass Shell 2013 schon Probleme mit der Rentabilität von Schiefergas in den USA hatte, und wohl auf die Schiefergasvorkommen in der Ost-Ukraine nicht den Erwartungen entsprachen. Zum Einlesen empfiehlt sich etwa folgender Artikel des CSM: „Ukraine crisis: Why Shell put shale projects on hold“.

Reserven im Schwarzen Meer

Ukrainische Rohstofffelder im Schwarzen Meer laut NaftogazNoch lustiger wird es, wenn man die Schwarzmeer-Reserven einbezieht.

Irgendwie seltsam, wie gerade deutsche Links-Außen-Seiten die deutlich substantielleren Schwarzmeer-Reserven ausblenden, die ja jetzt unter russischer Kontrolle sind. Aber sich am Randthema Fracking endlos abarbeiten können. Ein Schelm wer böses dabei denkt…

Gerade hinsichtlich der Schwarzmeer-Reserven gab es bereits unter Herrn Yanukovych einige weit fortgeschrittene Verhandlungen mit US-Firmen zur Erschliessung. Die sind mit der russischen Besetzung der Krim natürlich hinfällig sind. (Ein Link unter vielen: Bloomberg: „Losing Crimea Could Sink Ukraine’s Offshore Oil and Gas Hopes“).

Aber Krieg um Rohstoffe führen ja nur die Amerikaner…

Lese-Empfehlung:

– Noch ein paar mehr Details, übersichtlich zusammengestellt, hat es im Artikel „Rothschild, Russia and Why Everyone Is Getting Upset About Crimea“ auf The Oligarch Kings. Die im Post verwendeten Grafiken wurden von dort übernommen.

Verteidigungsausschuss 2014 (18. Bundestag)

Angestoßen von Noch als Sammelordner: Der neue Verteidigungsausschuss dann doch mal einen Blick auf die Abgeordneten im Verteidigungsausschuss geworfen und ein paar Notizen gemacht. Wird man im Lauf der Legislaturperiode wohl öfters mal brauchen können.

(Noch in Arbeit. Gerade die Darstellung von Engagement für nicht-militärische Alternativen ist nicht ganz so griffig abbildbar.)

CDU

Henning Otte

Bundeswehr_48x48Soldat auf Zeit. Für Internationales und Mittelstand innerhalb der Union aktiv (verteidigungspolitischer Sprecher der CDU).

Bernd Siebert

Ruestungsindustrie_48x48Nato_48x48Mitglied im Förderkreis Deutsches Heer e.V. (Lobbyverband der Rüstungsindustrie). Parlamentarische Versammlung der NATO. War CDU-Obmann im Verteidiungsausschuss. Für Verteidigung innerhalb der Union aktiv.

Karl A. Lamers

Nato_48x48Voraussichtlich stellvertretender Ausschussvorsitzender. Parlamentarische Vertretung der NATO.

Michael Brand 

Europa_48x48Politikwissenschaftler. 6 Jahre am European Balkan Institute in Bonn. Ein Jahr Studium in Sarajevo, dort auch als Wahlbeobachter für die OSZE tätig. Mitglied im Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung. Mitglied im Kuratorium Aktion Deutschland hilft.

Jürgen Hardt

Bundeswehr_48x48Nato_48x48Vier Jahre bei der Marine. Parlamentarische Versammlung der NATO. Für Internationales innerhalb der Union aktiv (Referent für Europapolitik, Europa-Union).

Anita Schäfer

Nato_48x48Parlamentarische Versammlung der NATO. Für Internationales und Mittelstand innerhalb der Union aktiv.

Ingo Gädechens

Bundeswehr_48x4832 Jahre bei der Marine.

Wilfried Lorenz

Bundeswehr_48x4832 Jahre Bundeswehr Stabsoffizier. Kirchlich aktiv, Mitglied der Kriegsgräberfürsorge.

Robert Hochbaum

Bundeswehr_48x48War mal Soldat auf Zeit.

Gisela Manderla

Kein sicherheitspolitischer Bezug.

Jörg Hellmuth

Kein sicherheitspolitischer Bezug.

Michaela Noll

Ihr Vater war iranischer Minister und musste 1979 fliehen. Selbst kein sicherheitspolitischer Bezug.

Karin Strenz

Kein sicherheitspolitischer Bezug.

CSU

Reinhard Brandl

Kein sicherheitspolitischer Bezug. Zwei Jahre Studium in Grenoble. War drei Jahre bei BMW.

Julia Bartz

Ruestungsindustrie_48x48Zu Sicherheitspolitik innerhalb der CSU aktiv (ASP). Halbes Jahr in Brüssel. Sieht den Schwerpunkt des Verteidigungsausschusses in der bayrischen Wirtschaftsförderung.

Florian Hahn

Ruestungsindustrie_48x48Arbeitete in der PR-Mitarberiter bei Krauss-Maffei Wegmann. Beirat der Zeitschrift „Wehrtechnik“. Vizepräsident „Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe e.V“.

SPD

Rainer Arnold

Ruestungsindustrie_48x48Sitz im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (von der Rüstungsindustrie dominierter Verein). In der SPD verteidigungspolitisch aktiv (2002 verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion).

Hans-Peter Bartels

Als Ausschussvorsitzender vorgesehen. Politikwissenschaftler. Innerhalb der SPD sicherheitspolitisch aktiv. Mitbegründer der Zeitschrift „Berliner Republik“. Autor von „Victory-Kapitalismus. Wie eine Ideologie uns entmündigt“.

Fritz Felgentreu

Bundeswehr_48x48Zwei Jahre Bundeswehr, Mitglied im Deutschen Bundeswehrverband.

Karl Heinz Brunner

Kein sicherheitspolitischer Bezug.

Heidtrud Henn

Kein sicherheitspolitischer Bezug.

Thomas Hitschler

Kaum sicherheitspolitischer Bezug. (Studierte Politikwissenschaft und ist in der Europa Union.)

Lars Klingbeil

Kaum sicherheitspolitischer Bezug. (Für Internationales innerhalb der Union aktiv.)

Dirk Vöpel

Kein sicherheitspolitischer Bezug.

Gabi Weber

Kein sicherheitspolitischer Bezug.

Wolfgang Hellmich

Ruestungsindustrie_48x48Mitglied des Förderkreis Deutsches Heer e.V. (Lobbyverband der Rüstungsindustrie).

Partei Die Linke

Alexander Neu

Europa_48x48Keine_BlauhelmeArbeitete bei der OSZE in Jugoslawien. Gegner der Schutzverantwortung.

Christine Buchholz

Keine_BlauhelmeIn der Partei Die Linke sicherheitspolitisch aktiv (Sicherheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion). Attac-Mitglied. Mitorganisatorin des Europäischen Sozialforums. Blockupy-Unterstützerin.  Mitglied bei Marx21. Anti-Interventionisting und Totaloppositionelle. „Die Bundeswehr führt Krieg gegen die afghanische Bevölkerung.“

Katrin Kunert

Kein sicherheitspolitischer Bezug.

Grüne

Agnieszka Brugger

Europa_48x48Politikwissenschaftlerin. Für Abrüstung innerhalb der Grünen aktiv. Mitbegründerin des Instituts Solidarische Moderne. Mitglied der Kommission „Europäische Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr“ (Uni Hamburg).

Tobias Lindner

Kaum sicherheitspolitischer Bezug. (Bei den Grünen wirtschaftspolitisch und gegen Lobbyismus aktiv,  ist in der Europa Union.)

Doris Wagner

Kaum sicherheitspolitischer Bezug. (Dolmetscherin, Arbeitete zwei Jahre in London. Innerparteilich zum Thema „Frieden/Europa/Eine Welt“ aktiv.)

Kanonenbootpolitik: I’m not convinced.

Eine kurze Einleitung

Auf Augengeradeaus wurde der FAZ-Artikel zweier Admirale, „Kein Land in Sicht“, aufgegriffen. Kernthese ist, dass aus der ökonomischen Bedeutung des Seehandels für Deutschland/Europa ein Ausbau der deutschen/europäischen Marine ergeben müsste.
Gleich vorneweg: Ich bin sehr froh, dass hier aus den Reihen der Bundeswehr eine Strategiediskussion nicht nur gefordert, sondern auch öffentlich geführt wird. Danke dafür. Allerdings finde ich die Argumentate nicht schlüssig. Bei mir hinterläßt sie darüberhinaus den Eindruck, dass es vor allem um den Vorteil der Insitution Marine geht, und dazu auch bewußt der militärische Aspekt in den Vordergrund gekehrt wird, ohne auf die Alternativen und Konsequenzen einzugehen. Das finde ich gefährlich.

Daher hier eine eilige Gegenrede, von jemandem der von Seefahrt wenig und von Wirtschaft nicht viel Ahnung hat. 😉
(Und den ganzen Flüchtlingsaspekt habe ich ganz ausgeklammert. Da stört mich einiges, aber das ist zu ernst um es mal so eben nebenher mit abzuhandeln.)

Wenn der Seehandels für Deutschland so bedeutend ist, folgt dann daraus nicht die Notwendigkeit einer stärkeren Marine?

Das in Verbindung setzen dieser beiden Teilsätze ist glaub der Kern der ganzen Diskussion. Und in meinen Augen auch genau der Punkt, der im FAZ-Artikel kaum argumentiert wird. Gleich vorneweg: Ich bezweifel, dass mehr Seehandel auch mehr Marine notwendig macht.

Für den eiligen Leser hier einige Denkanstöße, bevor ich dann doch weiter aushole:

Was sind die Bedrohungensszenarien für den Seehandel, und warum ist die deutsche Marine dagegen das geeignete Werkzeug?

(Auch gerade unter dem Gesichtspunkt, dass viele Güter von/nach Deutschland nicht auf deutsch beflaggten Schiffen unterwegs sind? Oder dass Reder selbst für die Sicherheit ihrer Schiffe sorgen könnten? Oder dass Piraterie eben nicht in Europa auftritt, und europäische Staaten dadurch rein wirtschaftlich gesehen sogar einen Wettbewerbsvorteil haben? Wenn das verschiffte Volumen für alle Handelsnationen gleichermaßen zunimmt, was ändert sich dann speziell für Deutschland? 2004 blieben 74% der europäischen Warenexporte in der Region Europa, 9% gingen in die USA – hat sich hier die Bedrohungslage geändert? HWWI, S 12)

Oder mal ganz Meta: Wenn die Sicherheit der Handelswege so wichtig und gefährdet ist, warum scheint sich dann das Recht für internationale Gewässer immer noch auf “der betroffene Flaggenstaat entscheidet, Piraterie darf verhindert werden” zu beschränken? Warum gibt es keine internationale Meerespolizei?
Sind die Probleme nicht seltsamerweise gerade “bedrohlich” genug, dass mehr Geld für die Marine dabei rausspringen soll, aber keine langristigen internationalen Anstrengungen unternommen werden müssen? Ein Schelm wer böses dabei denkt…

Die Machtverhältnisse: Die meisten anderen Länder sind stärker von Europa abhängig als umgekehrt

Ist die Exportabhängigkeit Europas ein Problem?

Nein, im Gegenteil: Es trägt enorm zu Macht und Wohlstand Europas bei.

Europa importiert vor allem Rohstoffe, und exportiert teure Industriegüter. Die Devisenüberschüsse bedeuten Macht und Sicherheit. Selbst bei ausgeglichener Handelsbilanz ermöglicht das Preisgefälle zwischen Industiegütern und Rohstoffen einen enormen Luxus.

Ein Drittel des weltweiten Warenhandel findet innerhalb der Region Europa statt (das ist also ein enormer, in sich recht stabiler Markt, und damit Machtfaktor). Gleichzeitig gehen über 40% der Warenströme Russlands und Afrikas nach Europa, während Exporte in diese Regionen für Europa gerade mal 2-3% ausmachen. Das ist schon ein enormes Machtgefälle. (Für andere Regionen geht das Gefälle in die gleiche Richtung, ist aber nicht ganz so krass. Selbst für nach Asien ist das Verhältnis des Exportanteils 3:1) Dazu kommt, dass die neoliberal knebelnde Weltwirtschaftsordnung dieses Status Quo auch noch zementiert.

So oder so sorgen die wirtschaftlichen Abhängigkeiten für zwischenstaatliche Stabilität. (Dass sie arme Länder zu Lasten der Industriestaaten benachteiligen, und dadurch Konflikte dort schüren, ist ein anderes Kapitel.)

Die Machtfülle – oder eher das Machtpotential – des Euroraums ist enorm. Und es ist ein Glück, dass die Euro-Staaten die Wirtschaft ernster nehmen als das Militär. Trotzdem ginge da noch soviel mehr. Und gerade die Merkel-Jahre konzentrierten sich ja eher auf die Vormachtstellung Deutschlands innerhalb Europas, als auf die Europas in der Welt.

Ist Europa überseeisch von Importen abhängig?

Jein. 😉
Klar: Für komplexe Geräte braucht man elektrische Komponenten, für Fahrzeuge braucht man Stahl, Kupfer und Aluminium etc.

Nur ist da der Zulieferer in einer sehr schwachen Position:
– Zum einen weil die Güter ziemlich leicht und fast überall hergestellt werden könnten. Wird ein Anbieter zu teuer oder fällt ganz weg, dann sucht man sich einen anderen. Insgesamt ist die Versorgung also nicht gefährdet, es geht schlicht um Preiskampf. Natürlich ist ein Ausfall/Wechsel des Zulieferers mit Kosten verbunden – aber eben deswegen können es sich Zulieferer auch gar nicht leisten, als unzuverlässig (und damit als teures Risiko) zu gelten.
– Die Rohstoffe und Low-Tech-Komponenten machen nur einen geringen Anteil am Produktpreis aus. Besonders krasses Beispiel: Beim iPhone5 liegen die Komponentenkosten bei um 200$, der Ladenpreis bei 700$. Bei einem 27.000$-Auto liegen die Materialkosten angeblich um 3.500$. Selbst starke Schwankungen machen am Endpreis nicht soviel aus. Auch sonst: 2011 brach die weiltweite Fesplattenproduktion wegen der Überflutungen in Thailand ein: Nerviger Preisanstieg für Privatkunden, aber für die Wirtschaft irrelevant.
– Umgekehrt gibt es High-Tech pauschal gesagt nur in den Industrienationen. Das ist auch einer der Gründe, warum die deutsche Maschinenbau-Industrie so stabil ist: Wer das beste will um konkurrenzfähig zu sein kauft eben hier. (Ok, das war jetzt etwas plakativ, aber der Kern der Argumentation sollte klar sein. 😉 )

Zusammengefasst:
– Für Europa ist es ziemlich egal, wo es einkauft. (Ok, nicht ganz egal, weil man will nicht soviel mehr ausgeben als andere Industrienationen, welche ja die eigentlichen Wettbewerber sind. Aber die meisten globalen Probleme treffen ja eh „alle“, und sind von daher „fair“)
– Für den Zulieferer ist es hingegen sehr wichtig, dass er nach Europa verkauft (weil es für ihn ein so enormer Markt ist). Tut er das nicht bleibt er auf seinen Sachen sitzen und verliert in vielen Fällen gleich einen riesigen Batzen seines Wirtschaftsvolumens. („In nicht weniger als 50 Schwellen- und Entwicklungsländern machte die Ausfuhr eines einzigen Rohstoffs in den Jahren 2003 bis 2006 mehr als die Hälfte aller Exporte aus.“ aus dem empfehlenswerten Zeit-Artikel „Der Fluch der Bodenschätze“ 2008)

Die Ausnahme: China?

Jetzt hat sich die obige Argumentation schwerpunktmäßig auf wirtschaftlich deutlich schwächere Staaten bezogen. China ist eine, wenn nicht die, große Ausnahmen: Das Handelsdefizit der EU gegenüber China liegt bei etwa 150 Mrd. Euro im Jahr (was langfristig ein Risiko ist). Allerdings machen für China die Exporte in die EU noch 19% aus ( 292 Brd. € von 1545 Brd. €), umgekehrt liegen die Exporte nach China für die EU bei etwas über 11% ( 136 Brd. € von 1554 Brd. €). Da tu ich mich als Laie recht schwer, anhand einer so einfachen Rechnung abzuschätzen, wer am längeren Hebel sitzt.

Was ist dann überhaupt die Rolle einer Kriegsmarine hinsichlich der weltweiten Seefahrt?

Ist eine Marine für Europa überhaupt noch machtpoltitisch relevant?

Obige Absätze mal krass komprimiert: Europa kann mit dem Verzichts auf eine Obstsorte oder von doppelten Textilpreisen ganze Nationen in den Ruin treiben. Das ist eine enorme Möglichkeit zur Machtprojektion (und die wird auch genutzt, leider vor allem für Interessen der Wirtschaft). Bieten Kriegssschiffe da wirklich mehr Machtprojektion? Oder ist die Forderung nach einem europäischen Trägerverband nicht nur vor allem selbstzentriertes militaristisches Geschwurbel? Braucht Europa überhaupt Flugzeugträger?
Das ist der Teil, bei dem der FAZ-Artikel ins Straucheln gerät. Europa ist eine maritime Großmacht, wirtschaftlich und damit auch machtpolitisch. D’Accord. Und ein paar Absätze weiter, wenn es um den Verteidungsetat geht, ist vom „verkümmern“ die Rede, und vom „Abstieg zu maritimen Mächten zweiter Klasse“. Da fühle ich mich nicht mitgenommen: Was sind die Übersee-Szenarien, die sich nicht mit Macht allgemein, sondern nur sepeziell mit martimer Militärmacht lösen lassen? Warum braucht es mehr Kriegsmarine, um „eine aktive und handlungsfähige Europäische Union zu schaffen, die Einfluss im Weltmaßstab ausüben kann“?

Gibt es eine die Handelsstraßen betreffende Notwendigkeit einer Marine jenseits von Machtprojektion?

Da tue ich mich schwer Bedrohungen zu finden, welche die Marine abwehren könnte.

Piraterie? Betrifft die Volkswirtschaft kaum (siehe Somala und die Strasse von Malakka) und läßt sich kurzfristig wohl billiger ohne Marine lösen (Schutzgeld, Schiffssicherungen, längere Routen), und langfristig nur von Land aus mit einem funktionierenden Staat samt Küstenwache. So oder so sind klassische Kriegsschiffe dafür aber eh überdimensioniert und überteuert.

Schmuggel? Da würde ich sogar zustimmen. Nur auch hier gilt: Dafür scheinen klassische Kriegsschiffe das falsche Werkzeug, und die Hauptarbeit müsste auch hier wieder an Land erledigt werden.

Hier bin ich dann mit meiner Kreativität dann auch schon am Ende. Klar gibt es weitere Aufgaben für Kriegsmarinen (Absichern/Durchführen einer Intervention von See, Durchsetzen des maritimen Teils eines Embargos), aber die haben mit dem Welthandel nichts zu tun.

Schlusswort

Mir ist die Notwendigkeit für mehr europäische Kriegsmarine immer noch nicht klar geworden, und die Begründung mit dem europäischen Welthandel ist mir nicht nachvollziebar. Effizienterer Aufbau der maritimen Institutionen in Europa? Globale Verantwortung als Hauptnutznießer der Globalisierung? Mehr internationale Zusammenarbeit in Meeresfragen, weil die alle betreffen? Ja, gerne! Nur was hat das mit der Bundeswehr zu tun?

Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss: Mir wird es bei der Argumentation von „Handel ist wichtig, also brauchen wir mehr Militär“ immer mulmig. Gerade wenn die wirtschaftliche Großmacht dann auch noch Militär zum Durchsetzen von Handelsvorteilen einsetzte wurde es besonders unappetittlich. Als die Briten den Opiumkrieg begannen dachten sie wohl auch, „dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.“ Ich hab das Faß jetzt doch  mal nicht aufgemacht, aber die Befürchtungen sind da und begründbar.